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Universitätsbibliothek

Sonderführungen anlässlich des Katholikentags begeistern über 100 Besucherinnen und Besucher

20.05.2026

Am 16. Mai 2026 öffnete die Universitätsbibliothek Würzburg aus Anlass des 104. Deutschen Katholikentags ihre Tresortüren für zwei Sonderführungen: einzigartige Handschriften und Zeugnisse aus über einem Jahrtausend Buch- und Glaubensgeschichte, darunter das weltberühmte „Kiliansevangeliar" aus der Würzburger Dombibliothek – und ein Publikum, das begeistert mitmachte.

Die Resonanz übertraf alle Erwartungen: Beide Führungen waren in kürzester Zeit ausgebucht; kurz vor der Veranstaltung wurde eigens eine Warteliste geöffnet, sodass jeweils rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei sein konnten, mehr als die ursprünglich vorgesehene Höchstzahl von 50 Personen.

Das Publikum war bunt gemischt: Neben Würzburgerinnen und Würzburgern nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher des Katholikentags aus ganz Deutschland die Gelegenheit, die Universitätsbibliothek am Hubland zu erkunden. Ihr Interesse war spürbar. Beide Führungen entwickelten sich zu lebendigen Begegnungen, bei denen Fragen und Gespräche im Vordergrund standen, weniger Vortrag als echter Austausch. Jede Führung dauerte rund eineinhalb Stunden.

Bibliotheksdirektor Dr. Hans-Günter Schmidt eröffnete den Blick in die Schatzkammer mit dem „Kiliansevangeliar" aus dem 6. Jahrhundert, das seit über einem Jahrtausend wie eine Reliquie verehrt wird, sowie einer Handschrift, die eine besondere Erstüberlieferung birgt: das Martyrologium Bedae, in dem der Tag des heiligen Kilian am 8. Juli erstmals schriftlich festgehalten wurde. Handschriftenexpertin Kerstin Kornhoff stellte eine der bedeutendsten angelsächsischen Handschriften des Bestands vor, die wegen ihrer außergewöhnlichen Kreuzigungsszene weltweiten Ruhm genießt; die Sammlung angelsächsischer Handschriften der Würzburger Dombibliothek gilt als die größte ihrer Art auf dem europäischen Kontinent. Stellvertretende Bibliotheksdirektorin Dr. Katharina Boll-Becht nahm ergänzend zwei Märtyrerfiguren in den Blick, die im Vergleich zu Kilian weniger bekannt, aber nicht minder bedeutsam sind: den heiligen Aquilin, einen Würzburger Märtyrer des Mittelalters, sowie Georg Häfner, einen Würzburger Priester, der am 20. August im Konzentrationslager Dachau starb und den Papst Benedikt XVI. Anfang Juli 2009 offiziell in den Kreis der Märtyrer aufnahm.

Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen des Mottos des 104. Deutschen Katholikentags: „Hab Mut, steh auf!". Die präsentierten Handschriften und Dokumente gaben diesem Aufruf ein eindrückliches historisches Gesicht. Sie erzählten von Menschen, die in ganz unterschiedlichen Epochen und unter höchst verschiedenen Umständen genau diesen Mut gelebt haben: von Kilian, der im frühen Mittelalter mit seinem Leben für seinen Glauben eintrat, über unbekannte Märtyrer der mittelalterlichen Kirchengeschichte bis hin zu Georg Häfner, der in dunkelster Zeit standhaft blieb. Die Schätze der Universitätsbibliothek wurden so in zwei ganz besonderen Veranstaltungen lebendig – als Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart und als historische Zeugnisse von Mut, Haltung und Verantwortung im Glauben.

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