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Ausstellung "analog - dialog", Arbeiten von Timo Bautz und Hermann Oberhofer

26.04. - 26.07.2022 in der Zentralbibliothek am Hubland zu den Öffnungszeiten der Bibliothek

In ihren Kunstwerken loten Timo Bautz und Hermann Oberhofer das Spannungsverhältnis zwischen Farbe und Motiv aus. Eine Auswahl ihrer Hoch- und Tiefdrucke sind vom 26.4. bis 26.7.2022 in der Zentralbibliothek am Hubland zu den Öffnungszeiten der Bibliothek zu sehen.

Kunstwerke im Dialog

Zwar gibt es Kunst heute auch in digitaler Form, aber ihr Ursprung, Wesen und ihre Zukunft liegen in der sinnlich erfahrbaren, freien Bearbeitung eines Materials. Der Dialog der beiden in der Ausstellung zu sehenden Werkgruppen von Timo Bautz und Hermann Oberhofer entsteht durch den Gegensatz von Farbe und schwarz/weiß sowie durch die Pole Gegenständlichkeit und Abstraktion. Beide formal stark kontrastierenden Prinzipien treten in Verbindung, weil die Reduktionen von Farbe und Motiv gegenläufig verteilt sind. Anders als man es erwarten könnte, tritt bei der Farbe das gegenständliche Motiv zurück, und wo sich Gegenstände zeigen, fehlt die Farbigkeit. Das ergibt eine interessante Verstärkung auf beiden Seiten.

Die von Timo Bautz ausgestellten Bilder tragen Titel wie „Veraltet“, „Rückenwind“, „Fortuna 2.0“ oder „Drei Formen der Zeit“: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind in dieser Arbeit auf der gewohnten Achse von links nach rechts angeordnet. Während sich die Vergangenheit als „Oldtimer“ nach links zurückbewegt, hat die Gegenwart keine eigene Gestalt, sondern ist nur ein Tor zu den beiden anderen Dimensionen. Die Zukunft erscheint als Vexierbild am rechten Ende abgesetzt ohne Verbindung: ein Kopf mit zwei Gesichtern und darin zwei Menschen, einer balanciert, der andere stürzt.

Technik der „Shaped gravure“

Die großformatigen Radierungen von Timo Bautz bestehen aus mehreren gedruckten Kupferplatten. Sie werden als Teilstücke mit der Blechschere in unterschiedliche Formen geschnitten, jedes einzelne Teil bearbeitet und geätzt und schließlich auf dem Drucktisch zu einer Form zusammengelegt. Die Gesamtform ist als Motiv erkennbar surreal. Alles wird in einem Durchgang gedruckt.  Manchmal wird ein Teilstück aus einer alten Radierung für eine neue Komposition verwendet. Es gibt in der traditionellen und modernen Druckgraphik kein Vorbild für „shaped gravure“. Wenn nur schwarze Farbe verwendet wird, erinnert das Ergebnis aus der Ferne an Scherenschnitt.

Technik der „verlorenen Platte“

Alle in dieser Ausstellung präsentierten Farbholzschnitte von Herman Oberhofer sind in der Technik der „verlorenen Platte“ ausgeführt. Hierbei werden alle Farbabzüge von einer einzigen Platte gedruckt. Nach Abschluss der Auflage kann der Druck nicht mehr wiederholt werden, weil die Oberfläche des Druckstocks immer mehr reduziert wurde, daher die Bezeichnung "verlorene Platte". Dieser Druckvorgang verlangt gezielte Planung, ermöglicht aber auch große gestalterische Freiheit und bietet zahlreiche Variationsmöglichkeiten.

Die Künstler

Dr. Timo Bautz ist seit 1997 Akademischer Direktor an der JMU am Institut für Pädagogik im Fach Kunst. Nach dem Studium und Promotion an der LMU (Philosophie, Kunstgeschichte und Pädagogik) war er sieben Jahre Studienrat an einem Münchner Gymnasium.

Hermann Oberhofer studierte Pädagogik in Eichstätt und ist seit 1990 als Lehrbeauftragter für Kunsterziehung und Druckgrafik an der JMU tätig. Seine Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellung in Deutschland und im Ausland zu sehen.